Finanzierungsstreit Stromriesen drohen: Wir machen die Kraftwerke dicht!

Einfach abschalten geht gar nicht: das Kohlekraftwerk Jänschwalde.

Einfach abschalten geht gar nicht: das Kohlekraftwerk Jänschwalde.

Foto: dpa

Ein Flackern, ein Glimmen, dann ist alles dunkel, alles still: Blackout in Deutschland! So geht das Szenario, das die Stromkonzerne gern präsentieren, wenn es um den Atomausstieg und dessen Folgen geht. Nun haben sie erneut Alarm geschlagen: Weil sich viele konventionelle Kraftwerke nicht mehr lohnen, sollen sie abgeschaltet werden – es sei denn, der Stromverbraucher zahlt künftig für den Betrieb. Sonst droht: der Blackout halt!

An sich eine Erfolgsmeldung: Ökostrom boomt in Deutschland – und zwar so sehr, dass sich so manches Gas- und Kohlekraftwerk nicht mehr lohnt. Logische Schlussfolgerung der Energieerzeuger: einfach abschalten. Bis zu 20 Prozent der konventionellen Stromkapazitäten in Deutschland stehen nach Informationen der „Süddeutschen“ zur Disposition.

Doch werden sie abgeschaltet, könnte laut Stromkonzernen das Netz in die Knie gehen. Deshalb fordert man, Kraftwerke, die als Reserve bereitgehalten werden, künftig vom Endverbraucher bezahlen zu lassen. Die Folge: höhere Strompreise.

Tatsächlich besteht das Problem nur in Süddeutschland. Hier fehlt es an Netzkapazitäten, hier fehlt es an erneuerbaren Energien, hier könnte es eng werden. Dennoch winkt Andree Böhling, Energieexperte von Greenpeace, ab: „Viele Energieunternehmen fahren enorme Gewinne ein. Die gesunkenen Kosten der Stromerzeugung werden bislang nämlich nicht an die privaten Haushalte weitergegeben.“

Der Greenpeace-Experte findet die neue Drohkulisse „unverschämt“. „Es ist halt Wahlkampf“, so Böhling zum EXPRESS.

Für Deutschlands Problemzone im Süden fordert Greenpeace regionale Lösungen statt bundesweiter Subventionstöpfe für Strommanager. Einfach abschalten können die Betreiber netzrelevante Kraftwerke sowieso nicht – da ist die Bundesnetzagentur davor: „In Süddeutschland werden wir keine weiteren Stilllegungen akzeptieren“, erklärt sie in der „Süddeutschen“.

Und überhaupt: Greenpeace hat nachgerechnet, dass die Konzerne den Verbraucher über den Tisch ziehen: „Irgendwer verdient gerade eine Menge Geld.“ Denn an sich müssten im kommenden Jahr die Strompreise sinken, nicht immer weiter steigen.

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